Arbeitszeitschutz und -gestaltung | Demographischer Wandel | Gesundheitsförderung | Heimarbeitsschutz | Jugendarbeitsschutz | Mutterschutz | Psychische Belastungen | Sozialvorschriften im Straßenverkehr
Zwei demographische Entwicklungen sind gegenwärtig in den westlichen Industrieländern zu beobachten. Die Geburtenziffern sinken und die Lebenserwartung steigt. Die deutsche Bevölkerung schrumpft von zur Zeit 82 Millionen auf ca. 75 Millionen bis zum Jahr 2030.
In den Betrieben steigt das durchschnittliche Alter der Belegschaften. 2005 werden erstmals mehr über 50-jährige als unter 30-jährige erwerbstätig sein.
Diese Entwicklungen sind nicht auf Deutschland beschränkt, sondern sie gelten im wesentlichen für alle Länder der Europäischen Union. Allerdings ist in Deutschland die Arbeitslosenquote der älteren Erwerbspersonen mit 11,2% (2001) deutlich über allen Industrienationen. Hinter diesen Zahlen verbirgt sich die Strategie der letzten Jahre, Arbeitslosigkeit als vorgezogene Ruhestandsphase zu nutzen; andererseits kommt hier auch die Tatsache zum Tragen, dass ältere Arbeitslose in Deutschland eine wesentlich geringere Chance haben, einen neuen Arbeitgeber zu finden als Jüngere.
Mehr als die Hälfte der Betriebe in Deutschland hat in den letzten Jahren so stark auf eine jugendzentrierte Personalentwicklung gesetzt, dass in diesen Belegschaften kaum mehr über 50jährige Mitarbeiter vertreten sind. In den Betrieben werden die Konsequenzen der demographischen Entwicklung in den Betrieben bislang oftmals nicht erkannt. Hinzu kommt, dass die hohe Arbeitslosenquote auch bei jüngeren Erwerbstätigen die Brisanz der Entwicklung für viele betriebliche Entscheidungsträger nicht erkennbar werden lässt.
Andererseits haben viele Arbeitnehmer – insbesondere im gewerblichen Bereich – im letzten Drittel ihres Erwerbslebens gravierende Gesundheitsprobleme und entsprechend relativ hohe Arbeitsunfähigkeitsquoten. Hier ist es ist Aufgabe einer betrieblichen Gesundheitsförderung, dem Gesundheitsverschleiß entgegen zu wirken. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass nicht nur physische Belastungen ein Krankheitsrisiko darstellen, sondern insbesondere auch psychischer Stress durch Zeit- und Arbeitsdruck gesundheitlich belastend wirkt. Ein präventiv orientiertes Gesundheitsförderungskonzept darf jedoch nicht nur bei den Älteren oder gesundheitlich Beeinträchtigten ansetzen, sondern muss auf alle Lebensalter ausgerichtet werden und alternsgerechte Arbeitsplätze bereitstellen.
Dazu gehört die Entwicklung einer Unternehmenskultur, die allen Beschäftigten – neben angemessenen Arbeitsplätzen - adäquate Qualifizierungs- und Entfaltungsmöglichkeiten einräumt. Erst dann könnte die Wahrnehmung vieler Beschäftigter überwunden werden, die die Berufstätigkeit in der letzten Erwerbsphase als belastend und beängstigend erleben und für die von daher eine vorgezogene Berentung als attraktive Lösung erscheint. Nur wenn es in den Betrieben gelingt, gemeinsam mit den Betroffenen Orientierungsmuster für ihre weitere Erwerbsbiographie zu entwickeln und damit ihre Motivation zu erhalten, werden letztlich die Leistungspotentiale älterer Belegschaften den Anforderungen moderner Arbeitswelten genügen.
Die hessische Arbeitsschutzverwaltung plant, in den nächsten Jahren verstärkt über die arbeitsweltlichen Folgen des demographischen Wandels zu informieren und dabei zusammen mit den betrieblichen Kooperationspartnern exemplarische Modelle für eine bessere Integration älterer Beschäftigter in den Betrieben zu entwickeln.
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